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Weiße Trüffel

Die Hölle ist leer. Alle Teufel sind hier.

Premiere: Fr, 10. Februar 2017 im JungendKulturZentrum Pumpe

Spielbereit: 2017

Produktion:
Daktylus e.V. / JugendKulturZentrum Pumpe Berlin
Regie / Dramaturgie:
Anne Zühlke / Stephan Weßeling
Musik:
Tina Paar
Bühne- u. Kostümbild:
Vanessa Gärtner
Licht- und Tontechnik:
Hannes Jo Heselmeyer, Lea Poullet, B urghardt Achtenberg
Spiel:
Josefine Hiersche, Anne Herrmann, Andrea Kruse, Anita Stangohr, Klaus Backhus, Stefanie Kaluza, Michael Kilter, Viktoria Meneses, Lynn Kickbusch, Astrid Wickert, Christiane Burghardt, Carolin Wildt, Simone Neumann
Gesang:
Ensemble

Zum Stück

Bin ein läufiges Trüffelschwein,
Grabe grunzend in der Erde,
Leidenschaftlich ganz allein,
Bis ich wieder fündig werde.

Trüffel, Trüffel, Trüffeln,
Verlocken Nase und Mund,
Schnüffel, Schnüffel, Schnüffeln,
Diamanten im Untergrund.

Teuerster Pilz auf dieser Welt,
Ja! - Tuber magnatum kostet Geld!
Zeig dich Reichtum, unverhüllt!
Süßeste Habgier uns erfüllt!
Oh, ein Land hat’s wirklich gut,
Wo Wohlstand auf Verbrechen ruht!

Trüffel, Trüffel, Trüffeln,
Verführen Nase und Mund,
Schnüffel, Schnüffel, Schnüffeln,
Diamanten im Untergrund.

Weiße Trüffel, ewige Gier:
DIE HÖLLE IST LEER, ALLE TEUFEL SIND HIER!!!






"Hell is empty, And all the devils are here."

(Shakespeare; 1564-1616; The Tempest - 1. Akt, 2. Szene / Ariel)

Am Anfang war das Laster! Und der Mensch liebt die Laster! Warum nur belegen wir sie gleichzeitig mit Tabus und Strafen? Weil wir alle so aufrichtig und anständig sein wollen! Oder nicht?
Sei’s drum: Lasst uns liederliche Pseudonyme entwickeln mit dem Mut, die in uns allen schlummernden Neigungen und Leidenschaften wachzuküssen. Lasst uns den schönen Schein von Alltags-Moral und „political correctness“ über Bord werfen. Bühne frei für Denk- und Verhaltensweisen, die wir bei anderen klammheimlich bewundern: dreist sein, frech, rücksichtslos; sich genussvoll wie ein Arschloch benehmen; sich für keine Peinlichkeit schämen; vom anderen lustvoll das Schlechteste annehmen, mich noch ekelhafter benehmen als die tumben Nachbarn, meine lästigen Konkurrenten ausstechen und lästern, lästern und ohne schlechtes Gewissen jede Menge Kohle scheffeln...

Alle diese zauberhaften Laster, wunderbaren schlechten Angewohnheiten, dunklen Neigungen, sündigen Fehler und Schwächen. Und mal Hand aufs Herz: Nicht wir beherrschen sie, sondern sie beherrschen uns. Und das macht uns auch nichts aus. Im Gegenteil, wir lieben unsere Laster. Wir fressen, saufen, lästern ständig über Verwandte und Freunde, führen gedankenlos ein ausschweifendes Leben. Nur, wenn die Laster uns selbst schaden, unser gutes Bild in der Öffentlichkeit eintrüben, dann bemühen wir uns mehr oder minder
überzeugend, sie los zu werden. Lächerlich! Da trifft es sich doch gut, dass sich heute ehemalige Untugenden wie Gier, Geiz oder Gewalt in Tugenden verwandelt haben. Deshalb lautet die Botschaft: Die Welt geht bald zum Teufel. Genießen wir, mamma mia, solange der Vorrat reicht, tutti frutti!

Die Hölle ist kein Ort, sie ist die Summe unserer versäumten Gelegenheiten, ein guter Bürger zu sein. Der frostigste Würger ist der Bürger, der vor sich selbst den Engel spielt. Doch leider ist es so: Die Einsicht, ich hätte etwas tun können, ich hätte etwas tun müssen, kommt immer zu spät. Es gibt kein Entrinnen! Niemand muss sich mehr von seinen Lastern befreien wollen. Das Projekt der moralischen Verbesserung des Gattungswesens Mensch ist weitgehend gescheitert. Begraben wir die Illusion vom guten Menschen! Bekennen wir uns dazu, Trüffelschweine zu sein! Immer auf der Suche nach weiteren Leckerbissen, egal was sie uns, die Gesellschaft oder die Welt kosten mögen. Lasst uns froh die Gläser erheben! Die Tugend ist tot! Das Laster soll leben!“


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